Fortschritt ist besser als Vollkommenheit
Beim Lesen der Zwölf Schritte riefen viele von uns: "Was sind das für Vorschriften! Das schaffe ich nie!“
Seid nicht entmutigt! Niemand von uns wird es wohl je fertig bringen, diese Grundsätze in irgendeiner Weise vollkommen zu verwirklichen. Wir sind keine Heiligen.
Wir wollen nur aufgeschlossen sein für neues Denken und geistiges Wachsen. Wir streben nach geistigem Fortschritt, nicht nach Vollkommenheit.
Wir nüchternen Alkoholiker sind nicht so sehr durch unsere Tugenden verbunden wie durch unsere Charakterfehler und durch unser gemeinsames Bemühen, sie zu überwinden.
Lg. Hans G24h
Eine AA Gruppe sollte niemals irgendein außenstehendes Unternehmen unterstützen, finanzieren oder mit dem AA Namen decken, damit uns nicht Geld – Besitz und Prestige Probleme von unseren eigentlichen Zweck ablenken. Wir haben im AA Programm etwas Wunderbares entdeckt, das uns nicht nur hilft, ein nüchternes sondern auch ein zufriedenes Leben zu führen. Es liegt nun nahe, dass wir dieses Gedankengut nicht nur an Alkoholiker weitergeben möchten. Das AA Programm ist für mich da, und ich sollte mich hüten, es anderen zu predigen. Sie würden mich nicht verstehen. Sie könnten höchstens denken, der soll bei seiner eigenen Tür kehren. Nur wenn ich das AA- Programm an mir selbst anwende, habe ich Aussicht, dass auch andere es tun könnten. Wir wollen auch keine Wohltäter der Menschen sein. Wenn wir einen Alkoholiker helfen, helfen wir in erster Linie uns selber. Jeder, der meint den Missionar zu spielen, setzt seine eigene Nüchternheit aufs Spiel. Natürlich steht es jedem Alkoholiker frei was er den Neuen vermittelt. Als AA-Mitglied soll es uns nicht hintern, mit Ärzten, Seelsorgern und Sozialhelfern zusammenzuarbeiten, aber wir wollen und können uns nicht an ihre Hilfsaktion anschließen. Wir sollten uns auch hüten voreilige Kritiken solcher Hilfsaktionen zu üben. Natürlich machen sie Fehler, aber wie wir das meiste aus unseren Fehlern gelernt haben, können auch sie aus ihren Fehlern lernen. Wir können und sollten diesen Helfern Mut machen, ihnen Anerkennung geben. Auch sie brauchen beides. Wir sollten uns auch immer bewusst sein, das Fachleute, Seelsorger, Ärzte und Sozialhelfer helfen können, wo wir nicht zu helfen imstande sind. Nur wenn jeder auf seinen Posten steht, werden wir was erreichen. AA braucht Geld, aber keine Reichtümer, um ihre Botschaft weiterzugeben. Die Hutsammlungen sind nicht für wohltätige Zwecke, sondern für die laufende Ausgaben der Anonymen Alkoholiker gedacht.
Lg. Hans G24h
Zufriedene Nüchternheit
Vielleicht mag nun der eine oder andere Leser der Meinung sein, es sei utopisch nach Vollkommenheit zu streben. Schließlich gäbe es auf der ganzen Welt keinen Menschen, der nur gute und positive Charakterzüge aufweist. Diese Freunde verstehen den Sinn dieses Schrittes falsch. Jeder Mensch, der sich ein Ziel setzt, ist selbst noch mehr oder weniger weit von diesem Ziel entfernt. Er muss hart arbeiten, trainieren und sich gesund halten, wenn er sein gestelltes Ziel erreichen will. Falsch wäre es auf der Lebensleiter auszuruhen. Stillstand bedeutet Rückfall. Man muss stets weiterstreben, um das zu erhalten, was man erreicht hat, bis dass der Tod eine Grenze setzt. Und an dieser Grenze steht bei mir die zufriedene Nüchternheit. So will ich einmal einschlafen und vor meinen Herrn treten. Nicht mit blütenweißer Weste der Vollkommenheit, sondern mit den Spuren getilgter Schuld und bereinigter Fehlhaltungen.
Deshalb muss ich mich heute bereit halten, die Fehler meines Charakters von Gott beseitigen zu lassen.
Lg. Hans G24h
Menschliche Reife durch Glauben
Noch Jahre nach meinem letzten Schluck fehlte mir diese Bereitschaft. Ich glaubte es allein zu schaffen. Ich war noch nicht reif. Die menschliche Reife erweist sich erst mit der Einsicht, dass der Glaube an Gott Charakterfehler beseitigen kann, Bei mir wurde diese Einsicht deutlich, als ich am Tiefpunkt meines Lebens doch die Kraft erhielt, mich von der tödlichen Trunksucht zu befreien. Nachdem alle täglich gefassten Vorsätze nicht geholfen haben, fand ich plötzlich eine Hilfe von außen. Heute, weiß ich, dass es kein Zufall war.
Lg. Hans G24h
Die Zwölf Schritte aus der Sicht eines Alkoholikers aus 1973
Ich war bereit, die Fehler meines Charakters durch Gott beseitigen zu lassen. Durch eine gründliche Inventur meines Innern versuche ich, mich selbst zu erkennen. Meine Fehler sind Charaktermängel, die mein Leben in der menschlichen Gesellschaft immer wieder negativ beeinflussen. Es ist mir unbequem diese Fehlhaltungen einzugestehen. Seit es mir aber klar wurde, dass ich mit Selbstverleugnung und Selbstbetrug nicht zufrieden nüchtern werden kann, versuche ich ehrlich zu sein. Ehrlichkeit ist die erste Voraussetzung zur Nüchternheit. Solange ich mir selbst über mein Ego etwas vormache, solange ist meine Nüchternheit erzwungen und verkrampft. Ich bin zwar trocken, aber ich kann noch lange nicht klarsehen. Durch meine Kehle fließt zwar kein Alkohol, aber mein Gehirn verharrt im alkoholischen Denken. Und wenn ich nicht täglich intensiv an mir arbeite, geht es nicht vorwärts. Dann bleibe ich stehen und beginne mein alkoholisches Denken für normal zu halten. So verbreitet sich die Krankheit hinterlistig im Geist und ich bin der Letzte, der merkt, dass ich selbst geistig krank bin.
Lg. Hans G24h
Es gibt in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten. Zwei Tage, die wir freihalten sollten von Angst und Bedrückung. Einer dieser zwei Tage ist Gestern mit all seinen Fehlern und Sorgen, geistigen und körperlichen Schmerzen. Das Gestern ist nicht mehr unter unserer Kontrolle! Alles Geld dieser Welt kann das Gestern nicht zurückbringen: wir können keine einzige Tat, die wir getan haben, ungeschehen machen. Wir können nicht ein Wort zurücknehmen, das wir gesagt haben. Das Gestern ist vorbei!
Der andere Tag, über den wir uns keine Sorgen machen sollten, ist das Morgen mit seinen möglichen Gefahren, Lasten, großen Versprechungen und weniger guten Leistungen Auch das Morgen haben wir nicht unter unserer sofortigen Kontrolle.
Morgen wird die Sonne aufgehen entweder in ihrem vollen Glanz oder hinter einer Wolkenwand. Aber eins steht fest Sie wird aufgehen! Bis sie aufgeht, sollten wir uns nicht über Morgen Sorgen machen, weil Morgen noch nicht geboren ist.
Da bleibt nur ein Tag übrig heute!
Jeder Mensch kann nur die Schlacht von einem Tag schlagen. Dass wir zusammenbrechen geschieht nur wenn Du und ich die Last dieser zwei fürchterlichen Ewigkeiten ~ gestern und morgen ~ zusammenfügen. Es ist nicht die Erfahrung von heute, die die Menschen verrückt macht, es ist die Reue und Verbitterung für etwas was gestern geschehen ist oder die Furcht vor dem was das Morgen wieder bringen wird.
Heute ist das Morgen, worüber wir uns Gestern Sorgen gemacht haben.
Lg. Hans G24h
Der 6.) Schritt
Ich war völlig bereit, alle meine Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
Bin ich wirklich bereit alle meine Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen??? Das ist hier die große Frage. Wenn ich wieder einmal körperlich, geistig und seelisch am Boden war, da hatte ich Gott gebeten (gebettelt) mich von meinen Qualen zu befreien. Sobald ich mich besser fühlte, bat ich dann auch noch mich vom sinnlosen trinken zu befreien, oder hatte ich alle guten Vorsätze wieder vergessen und trank munter weiter. Erst als ich wieder meinen Tiefpunkt erreicht hatte, war ich kurz bereit, das erste Glas Alkohol stehen zu lassen und ich bat Gott (wie ich ihn heute verstehe) mir zu helfen. Durch eine gründliche und furchtlose Inventur habe ich in mir so viele Fehler entdeckt: Selbstmitleid, Kritiksucht, Unehrlichkeit, Gereiztheit, Ärger über die Anderen und noch vieles mehr. Jetzt muss ich mich fragen ob ich wirklich bereit bin diese Fehler von Gott beseitigen zu lassen, an denen ich eine Sauf-zeit lang gehangen bin. Bin ich wirklich bereit ein neues unbeschwertes Leben aufzubauen, weil mein altes nichts mehr taugte. Solange ich getrunken hatte wollte ich die Probleme gar nicht wahrhaben, jetzt aber stand ich ohnmächtig vor einen großen Trümmerhaufen. Nun stehe ich wieder vor einer Entscheidung: Will ich es allein mit meinen eigenen Willen diese Fehler beseitigen oder will ich mit Hilfe der Höheren Macht (wie ich sie heute verstehe) probieren. Es steht mir frei, niemand zwingt mich dazu eine Höhere Macht in Anspruch zu nehmen. Also die Entscheidung wie es so schön heißt liegt bei mir selber.
Lg. Hans G24h
Mit Vergebung beginnen
Sobald wir anfangen, über eine gestörte oder zerbrochene Verbindung mit einem anderen Menschen nachzudenken, begeben wir uns in Abwehrstellung. Damit wir nicht an unsere Fehler denken müssen, beleuchten wir voller Zorn das, was uns angetan wurde. Wir beharren triumphierend auf dem kleinsten Fehlverhalten des anderen, weil das eine perfekte Entschuldigung ist, unsere eigenen Fehler herunterzuspielen oder zu vergessen.
Genau an dieser Stelle müssen wir uns scharf zur Ordnung rufen. Wir sollten daran denken, dass Alkoholiker nicht die einzigen Menschen mit einer kranken Gefühlswelt sind. In vielen Fällen haben wir es mit Leidensgenossen zu tun, mit Menschen, deren leiden wir noch vergrößert haben.
Wenn wir bereit sind, für uns um Vergebung zu bitten, warum sollten wir nicht anfangen, auch den anderen ein für allemal zu vergeben?
Lg. Hans G24h
Je mehr A.A. sich an ihren Hauptzweck halten, desto größer wird der hilfreiche Einfluss sein.
A.A. WIRD MÜNDIG, S. 168
Voll Dankbarkeit gedenke ich der ersten Tage unserer Gemeinschaft und der weisen und liebevollen "Wegbereiter", die forderten, dass wir uns nie von unserem Hauptzweck ablenken lassen dürften: Die Botschaft an Alkoholiker, die noch leiden, weiterzugeben. Ich möchte denen, die beruflich mit Alkoholismus zu tun haben, Respekt zollen, mich jedoch immer erinnern, dass A.A. nur die eigenen Anliegen vertritt. Ich muss mir im klaren sein, dass A.A. kein Monopol auf Wunder hat, und ich werde dem liebenden Gott, der A.A. möglich machte, demütig dankbar bleiben.
Lg. Hans G24h
Wichtig:
Am Sonntag den 30.Juni.2024 findet kein AA-Meeting in Stadl Paura statt. (wegen 50 Jährigen Kirchenfest sind leider alle Räume besetzt)
Lg. Hans