Ich setze die Inventur bei mir fort, und wenn ich Unrecht hatte, gab ich es sofort zu.
Wir sind keine Heiligen, heißt es einmal im Blauen Buch. Wahrhaftig, das merke ich, als ich mit dem Trinken aufgehört hatte. Ich blieb ein fehlerhafter Mensch. Das Leben bleibt immer schwierig. Es macht für mich als Alkoholiker, auch wenn ich nüchtern geworden bin, keine Ausnahme. Es gibt einen gewissen Luxus, der dem Durchschnittsmenschen gemeinsam ist, den sich aber ein Alkoholiker nicht leisten kann. Selbstmitleid, Neid, Kritiksucht, Unehrlichkeit, Groll und noch vieles mehr. Schlimmer wird es noch, wenn ich vergesse, dass ich Alkoholiker bin und bleibe, oder wenn ich mir auf meine Nüchternheit was einbilde, wenn ich anfange zu zweifeln, ob ich die Meetings für meine Nüchternheit noch brauche, wenn ich mir Anerkennung erwarte, wenn ich die Anonymität nicht ernst nehme, dann brennt ein rotes Warnlicht, dann bin ich in der Gefahrenzone und sollte eiligst Inventur machen. Nichts ist wichtiger für mich als Alkoholiker als eine zufriedene Nüchternheit und die kann ich nur erhalten wenn ich auf der Hut bin. Am Abend kann ich mich fragen: Wie habe ich mich verhalten während des Tages? Was sind meine Gefühle? Ein Augenblick der Selbstbesinnung ist wichtig, um in Kontakt mit mir selbst zu bleiben. Ich freue mich jeden Tag über die Nüchternheit und Fortschritte, die ich gemacht habe, seit ich nicht mehr trinke.
Lg. Hans
Damit wir nicht selbstgefällig werden
Nichts ist leichter als das spirituelle Programm zu vernachlässigen und uns auf den Lorbeeren auszuruhen. Wenn wir das tun, rennen wir direkt in unser Unglück, denn Alkohol ist ein heimtückischer Feind.
Anonyme Alkoholiker, S. 98
Wenn ich leide, ist es einfach, nahe bei den Freunden zu bleiben, die ich im Programm gefunden habe. Die Befreiung vom Schmerz wird uns durch die Lösung, die in den Zwölf Schritten der AA enthalten ist, angeboten. Wenn ich mich jedoch gut fühle und die Dinge gut laufen, kann ich selbstgefällig werden. Um es einfach auszudrücken: Ich werde faul und ich werde zum Problem anstatt zur Lösung. Ich muss handeln, Bilanz ziehen: Wo stehe ich und wo gehe ich hin? Eine tägliche Inventur wird mir zeigen, was ich ändern muss, um mein spirituelles Gleichgewicht wiederzufinden. Gott und einem anderen Menschen gegenüber zuzugeben, was ich in mir entdeckte, hält mich ehrlich und demütig.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg. Hans G24h
Aber es ist nicht so einfach.
Aufhören zu trinken muss man wollen. Ich drücke es noch etwas anders aus und sage, man muss das gut finden keinen Alkohol zu trinken. Ich mag inzwischen auch nicht immer an das Thema denken und mache auch recht viel, dass es mir gutgeht. Das Leben hat ja eine Menge zu bieten und vieles gibt es auch neu zu entdecken. Meine heutige Einstellung zum Thema und zum Leben hat sich nicht von heute auf morgen geändert. Dazu hat es einige Zeit gebraucht. Inzwischen fühle ich es, wie gut es mir ohne Alkohol doch geht. Letzteres ist der springende Punkt um den es geht. Der lässt sich auch nicht erzwingen. Bei einem passiert das schneller, bei anderen dauerts ewig und wiederum bei anderen passiert es gar nicht.
Ich finde es aber gut das es AA-Selbsthilfe Gruppen gibt, aber aufhören muss ich schon selber wollen.
Lg. Hans G24h
Immer und immer wieder sehen wir: einmal Alkoholiker – immer Alkoholiker! Wenn wir nach einer Zeit der Nüchternheit wieder mit dem Trinken anfangen, sind wir in kurzer Zeit wieder so übel dran wie vorher. Wenn wir uns vornehmen, mit dem Trinken aufzuhören, darf es keinen Vorbehalt geben, und in keinem Winkel unseres Hinterkopfes darf die Hoffnung lauern, eines Tages normal trinken zu können.
Anonyme Alkoholiker, S. 38
Heute bin ich Alkoholiker. Morgen wird es nicht anders sein. Mein Alkoholismus gehört jetzt und für immer zu mir. Ich darf nie vergessen, was ich bin. Der Alkohol wird mich sicher umbringen, wenn es mir nicht gelingt, jeden Tag meine Krankheit zu erkennen und sie anzuerkennen. Ich spiele kein Spiel, in dem eine Niederlage nur einen vorübergehenden Rückschlag darstellt. So lebe ich mit meiner Krankheit, für die es keine Heilung gibt, nur tägliches Annehmen und Wachsamkeit.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg. Hans
Dankbarkeit ist der Weg nach vorne, nicht zurück.
Ich bin sehr dankbar, dass meine Höhere Kraft mir eine zweite Chance gab, ein wertvolles Leben zu führen. Durch die Anonymen Alkoholiker habe ich meine geistige Gesundheit wiedererlangt. Die Versprechungen erfüllen sich nach und nach in meinem Leben. Ich bin dankbar für die Befreiung von der Sklaverei des Alkohols. Ich bin dankbar für meinen Seelenfrieden und die Chance des Wachstums, aber meine Dankbarkeit sollte ein Weg sein nach vorne, nicht zurück. Ich kann durch vergangene Meetings oder durch zurückliegende Arbeit im Zwölften Schritt nicht nüchtern bleiben: Meine Dankbarkeit muss ich heute in die Tat umsetzen. Unser Mitgründer sagte, dass Dankbarkeit sich am besten darin ausdrückt, dass wir die Botschaft weitergeben. Dankbarkeit ohne Taten ist nichts als ein angenehmes Gefühl. Ich muss sie umsetzen, indem ich im Zwölften Schritt arbeite, die Botschaft weitergebe und die A.A.-Prinzipien in allen meinen Angelegenheiten anwende. Ich bin dankbar für die Chance, heute die Botschaft weiterzugeben.
Lg. Hans G24h
Ein neues Leben
Ja, dafür gibt es einen Ersatz – und es ist weit mehr als das. Es ist die Gemeinschaft unter den Anonymen Alkoholikern. ... Das Leben bekommt endlich einen Sinn.
Anonyme Alkoholiker, S. 178
Das Leben ist ohne Alkohol besser. AA und die Gegenwart einer Höheren Macht halten mich nüchtern, aber die Gnade Gottes bewirkt sogar noch mehr; sie bringt den Dienst in mein Leben. Der Kontakt mit dem AA-Programm lehrt mich ein neues, tieferes Verständnis dafür, was die Anonymen Alkoholiker sind und tun; doch noch wichtiger ist, dass es mir hilft zu erkennen, wer ich bin: Ein Alkoholiker, der die ständige Erfahrung des AA-Programms braucht, so dass ich ein Leben führen kann, wie es von meiner Höheren Macht bestimmt wurde.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg. Hans
Wiedergutmachung
Darüber hinaus sollten wir völlig sicher sein, dass wir nichts aus Angst hinausschieben.
Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen, S. 82
Mut zu haben und nicht ängstlich zu sein sind Geschenke meiner Genesung. Sie geben mir Kraft, um Hilfe zu bitten und meine Wiedergutmachung mit Gespür für Würde und Demut fortzusetzen. Wiedergutmachung mag ein gewisses Maß an Ehrlichkeit verlangen, von der ich meine, dass sie mir fehlt; doch mit Gottes Hilfe und der Weisheit anderer kann ich in mich gehen und die Kraft zum Handeln finden. Meine Wiedergutmachungen mögen akzeptiert werden oder auch nicht – aber sobald ich sie geleistet habe, kann ich mit dem Gefühl der Freiheit und dem Wissen, dass ich für heute verantwortlich bin, aufbrechen.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg. Hans
"NUR EIN GLAS KANNST DU DOCH TRINKEN!"
Aber wer zwingt mich denn, mit diesen Kollegen zu verkehren? Mir ist meine Nüchternheit so wichtig, dass ich auf jene paar Menschen verzichten kann, die für dieses Problem kein Verständnis aufbringen. Sie sind in der Minderzahl. Meistens sind wir Alkoholiker selbst schuld, wenn wir verschweigen, was die Umwelt aufklären würde. So spreche ich oft und unbefangen mit meinen Freunden und Vorgesetzten über mein Problem und über die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker. Diesen und jenen habe ich schon zu einem offenen oder öffentlichen Meeting mitgenommen und alle zeigten sich sehr beeindruckt. Ganz von selbst ergab sich ein gegenseitiges Verstehen und Verzeihen. Verzeihen kann der Mensch erst, wenn er Einblick in. die Nöte und inneren Konflikte bekommt. Wenn er erkennt, dass die Beleidigung keiner menschlichen Gemeinheit oder Schlechtigkeit entsprungen ist, sondern einem unwiderstehlichen Zwang, der die Sucht kennzeichnet. Wenn wir diesen Einblick verhindern und unsere Krankheit verbergen, verniedlichen, trifft uns selbst die Schuld an neuen Problemen. Wahres Bekennen und Entschuldigen ist für mich eine Voraussetzung zur Genesung.
Lg. Hans
Wenn möglich entschuldigte ich mich bei ihnen, es sei denn, ich hätte sie oder andere dadurch verletzt. Der neunte Schritt soll die im achten Schritt gewonnenen Vorsätze in die Tat umsetzen. Wie oft habe ich mir in meinen nassen Tagen schon Sachen vorgenommen, die dann nie verwirklicht wurden. Ich baute mir die schönsten Schlösser - Stein auf Stein - Schluck für Schluck, aber zum Richtfest ist es nie gekommen. Nun muss ich beweisen, dass ich zu meinem neuen Lebensweg stehe.
A.A. KANN MAN NICHT NUR SO NEBENBEI MACHEN.
A.A. fordert den ganzen Menschen. Seinen Mut, seine Verantwortung und immer wieder seine Ehrlichkeit. Es ist nicht damit getan, dass man die Schritte beim Meeting in der warmen Stube diskutiert. Zumindest dieser Schritt fordert, dass ich mich erhebe, dass ich mich aufraffe, nach draußen gehe, um die Menschen aufzusuchen, denen ich Leid zugefügt habe. Und wenn ich dann vor diesen Menschen stehe, dann kommt es mir verdammt hart an, den Mund aufzumachen. Ich stand oft da und fand keine richtigen Worte. Obwohl ich mir vorher jeden Satz meiner Entschuldigung in Gedanken zurecht gelegt hatte, brachte ich nichts über die Lippen. Scham, Verlegenheit, Angst und Hemmungen? Nein! Heute weiß ich, dass ich einfach zu feige war. Ich hatte keinen Mut, weil ich mit jeder Entschuldigung meinte, dass ich mich damit bloßstelle, erniedrige, ins falsche Licht setze. Ich meinte, mein "Image" zu zerstören, mein Gesicht zu verlieren. Dabei hätte ich doch nur meine Überheblichkeit abgelegt, meine Besserwisserei aufgegeben, meine Ehrlichkeit ernst genommen. Dieser Schritt ist ein Akt der Demut. Wer tritt schon leichten Herzens vor seinen Nächsten und gibt zu, dass er unrecht hatte?
Lg. Hans G24h
Hallo Petra wir wünschen dir alles Gute zu deinem AA-Geburtstag
„Worauf es ankommt, das sind nie die Bedingungen, die man vorfindet, sondern das ist stets das Lebenswerk, das man daraus gemacht hat.“
Lg. G24h Renate und Hans