Die Anonymität des Alkoholikers in der Gruppe Obwohl Alkoholismus als Krankheit anerkannt ist, gilt der Alkoholiker in weiten Bereichen der Öffentlichkeit noch immer als charakterschwacher Mensch, der sein Elend selbst verschuldet hat. Ein Hilfsangebot anzunehmen ist deshalb für einen Betroffenen mit der Angst verbunden, in einer Datei als Alkoholiker registriert zu werden. Die Anonymen Alkoholiker aber geben dem Hilfesuchenden das Versprechen der Anonymität. Der nasse, verzweifelte Alkoholiker wird sich vielleicht an den Strohhalm der Anonymität klammern und eine Kontaktstelle anrufen oder ein Meeting aufsuchen. Zu einem späteren Zeitpunkt entscheidet dann jeder für sich, ob er Angehörigen, Freunden oder auch Arbeitskollegen von seiner Zugehörigkeit zu den AA erzählt. Die Anonymität der anderen Gruppenmitglieder muss aber immer gewahrt werden.
Lg. Hans
Anonyme Alkoholiker sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung vom Alkoholismus zu verhelfen. Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören. Die Gemeinschaft kennt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren, sie erhält sich durch eigene Spenden. Die Gemeinschaft AA ist mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden; sie will sich weder an öffentlichen Debatten beteiligen, noch zu irgendwelchen Streitfragen Stellung nehmen. Unser Hauptzweck ist, nüchtern zu bleiben und anderen Alkoholikern zur Nüchternheit zu verhelfen.
Lg. Hans
Ich suche durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott-wie ich Ihn verstehe-zu verbessern.
Ich bat Ihn nur, seinen Willen für mich erkennen zu lassen und um die Kraft, ihn auszuführen. Als ich nicht mehr ein und aus wusste, habe ich gebetet. Irgendwie verspürte ich, als ich das erste Glas stehen lassen konnte, dass eine Macht stärker als ich, sich da eingeschaltet haben muss. Wenn ich mir heute geistig gesund fühle, dann glaube ich, dass mir jemand geholfen haben muss. Deswegen überkommt mir manchmal eine große Dankbarkeit. Ähnlich wie bei der täglichen Inventur ist auch hier die regelmäßige Praxis der Besinnung von Bedeutung. Wenn ich eine besonders schwere und aufregende Situation gerate, habe ich ja den Gelassenheitsspruch zur Hand. Viele Rückfälle beginnen wohl damit, dass man hier nachlässig wird und meint, diese Hilfe nicht nötig zu haben. Besinnung: Ich glaube die meisten von uns, denken viel über unsere wunderbare Rettung nach. Warum kam bei mir die Einsicht schneller als der Tod? Wie mein AA- Freund einmal meinte: Sogar das sinnlose Trinken hat einen Sinn bekommen. Denn hätte ich nicht durch diese Hölle gehen müssen, wäre ich nie zu AA gekommen. Wenn es mir gelingt am Abend eine Tages Inventur zu machen, dann wird es mir auch gelingen ein Bitt-oder Dankgebet zu sprechen.
Lg. Hans
Ich kann den Wind nicht drehen
Nichts ist leichter als das spirituelle Programm zu vernachlässigen und uns auf den Lorbeeren auszuruhen. Wenn wir das tun, rennen wir direkt in unser Unglück, denn Alkohol ist ein heimtückischer Feind.
Anonyme Alkoholiker, S. 98
Durch meinen ersten Sponsor lernte ich das Wichtigste über Gebet und Meditation: Erstens müsse ich damit anfangen und zweitens damit fortfahren. Als ich zu AA kam, war mein spirituelles Leben auf dem Nullpunkt; wenn Gott für irgendetwas gut sein sollte, so nur dann, wenn mein eigener Wille unfähig war, einen Auftrag auszuführen, oder wenn überwältigende Ängste mein Ego zerfressen hatten. Heute bin ich dankbar für ein neues Leben, in dem meine Gebete voll Dankbarkeit sind. Wenn ich bete, dann höre ich eher zu als dass ich selbst rede. Ich weiß heute, dass ich nicht den Wind drehen kann, wohl aber mein Segel. Ich kenne den Unterschied zwischen Aberglauben und Spiritualität. Ich weiß, dass es eine rücksichtsvolle Art gibt, im Recht zu sein, und viele Arten, sich zu irren.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg. Hans
Leben und leben lassen
Noch nie ist es innerhalb unserer Gemeinschaft wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten zu einer Spaltung gekommen. Auch hat unsere Gemeinschaft noch niemals öffentlich für eine Sache in dieser zerstrittenen Welt Partei ergriffen. Wir sollten uns das aber nicht als Verdienst anrechnen. Man könnte eher sagen, dass uns diese Tugend angeboren ist. ... „Solange wir uns über diese Dinge nicht untereinander streiten, ist es klar, dass wir es nicht öffentlich tun.“
Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen, S. 168/169
Denke ich daran, dass ich ein Recht auf meine eigene Meinung habe, aber dass andere sie nicht teilen müssen? Das ist der Geist von „leben und leben lassen“. Das Gelassenheitsgebet erinnert mich daran, mit Gottes Hilfe „Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann“. Versuche ich immer noch, andere zu ändern? Wenn es heißt, „Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann“, denke ich dann daran, dass meine Ansichten eben meine und deine Meinungen, die deinen sind? Habe ich immer noch Angst, ich selbst zu sein? Wenn es heißt „Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“, denke ich dann daran, dass meine Ansichten aus meiner Erfahrung kommen? Wenn ich eine besserwisserische Haltung einnehme, bin ich dann nicht absichtlich streitsüchtig?
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg.Hans
Wahre Demut und Bereitschaft können uns zum Glauben führen ...
Zwölf Schritte und Zwölf Traditionen, S. 31
Mein alkoholkrankes Denken ließ mich glauben, ich könnte kontrolliert trinken, aber ich konnte es nicht. Als ich zu AA kam, wurde mir klar, dass Gott durch meine Gruppe zu mir sprach. Ich begriff nur so viel, um zu erkennen, dass ich seine Hilfe benötigte. Es brauchte mehr Zeit, um AA wirklich und aufrichtig anzunehmen, aber dieser Schritt führte zu Demut. Ich weiß, wie krank ich war, und ich bin äußerst dankbar dafür, dass mir meine geistige Gesundheit wiedergegeben wurde und ich ein nüchterner Alkoholiker bin. Mein neues nüchternes Ich ist ein viel besserer Mensch, als ich es ohne AA je hätte sein können.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
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Lg. Hans
Hier bekommst du Unterstützung auf deinem Weg in einer dauerhaften Abstinenz. Vor allem aber bekommst du immer ein offenes Ohr und Verständnis. Hier musst du niemandem was vormachen oder beschönigen, denn wir hier sind alle Alkoholiker. Einige hier sind erst frisch nüchtern, andere schon Jahrzehnte.
Sie geben wertvolle Erfahrungen weiter und weisen auch auf Risiken hin, die vermeidbar sein können.
Lg. Hans
Den ganzen Tag über
Das geht nicht über Nacht und sollte ein Leben lang weitergehen.
Anonyme Alkoholiker, S. 97
Während meiner ersten Jahre in AA betrachtete ich den Zehnten Schritt als eine Empfehlung, regelmäßig mein Verhalten und meine Reaktionen zu überprüfen. Wenn irgendetwas verkehrt war, sollte ich es zugeben; wenn eine Entschuldigung notwendig war, sollte ich mich entschuldigen. Nach einigen Jahren der Nüchternheit fühlte ich, dass ich häufiger eine Selbstprüfung durchführen sollte. Ich erkannte nicht die volle Bedeutung des Zehnten Schritts und der Worte „wir setzten fort“, ehe einige weitere nüchterne Jahre verstrichen waren. „Wir setzten fort“ heißt nicht gelegentlich oder häufig. Es heißt: den ganzen Tag über.
Aus dem Buch „Heute. Gedanken zum Tag“ (Originaltitel: Daily Reflections).
© 2019 Alcoholics Anonymous World Services, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Lg. Hans
Darf im Meeting nur eigene AA-Literatur verwendet werden?
Die Antwort steht für mich in den AA-Traditionen. Dort finde ich, dass wir die AA-Botschaft zum noch Leidenden bringen sollen und nicht irgendeine andere Botschaft. Und die AA-Botschaft ist halt nun die von der Genesung mit den 12 Schritten. Und andererseits gibt es eine Tradition, wo erinnert wird, dass wir nicht Stellung nehmen zu Fragen außerhalb unserer Gemeinschaft. Überall sonst im Leben kann jeder die Literatur verwenden, die ihm hilft, und es gibt Unmengen an wertvollen Büchern. Aber in einem AA-Meeting und am Literaturtisch hat eben nur AA-Literatur was verloren. Sonst kennt sich ein Neuer oder Interessierter nicht aus, was die AA ist oder welche Botschaft die AA eigentlich weiter vermitteln will.
Lg. Hans G24h
Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
Jetzt sind wir im Programm der Anonymen Alkoholiker im Heute. Die Schritte eins bis neun halfen uns, die Vergangenheit zu überdenken, zu ordnen, aus Fehlern zu lernen und Brauchbares mitzunehmen in das jetzt beginnende neue Leben. Nachdem wir im Ersten Schritt kapituliert und in den folgenden Punkten des Programms bewusst Gott als Partner und Lenker in unser Leben genommen hatten, ging es in den Schritten vier bis neun um die Aufarbeitung des Gewesenen und dabei zuletzt vor allem um die Ordnung unserer mitmenschlichen Beziehungen.
Im Zehnten Schritt gibt uns das A.A.-Programm Empfehlungen für den Alltag an die Hand. Und zwar für den Alltag so wie er ist, mit seinen Ärgernissen und Freuden, mit seinem Einerlei und seinen Überraschungen. In diesem Alltag wollen wir uns bewähren; wir wollen anders leben als früher.
Doch wozu das? Genügte es nicht, wenn wir nicht mehr trinken? Hat der Freund nicht recht, der gesagt hat: "Ich darf alles, nur nicht saufen?"
An dieser Stelle kann die Meetings Abende füllende Diskussion nur angedeutet (und angeregt) werden: Ist unser Programm nur dazu da, dass wir nüchtern bleiben? Besteht der ganze Sinn meines weiteren Lebens nur in der Erhaltung meiner Nüchternheit oder ist die Erhaltung dieser Nüchternheit erst die Voraussetzung für ein darauf aufbauendes neues Leben? Dies letztere kommt sicherlich der Wahrheit und dem eigentlichen Sinn des Programms näher.
Lg. Hans