Ich habe für mich dieses Fundament als große Nachsorge angesehen. Ein für mich wichtiger Punkt war dabei die Risikominimierung.
Diesen Punkt habe ich von Anfang an ohne jegliche Kompromisse durchgezogen.
Er ist noch heute der wichtigste Stützpfeiler in meinem Ausbau der Trockenheit.
Am Anfang hat mir das denken und handeln in 24 Stunden Schritten sehr geholfen.
Josef
Ist Nüchternheit alles, was wir vom Geistigen Erwachen erwarten? Nein, Nüchternheit ist nur ein dürftiger Anfang. Im AA-Programm zu leben ist wie ein Haus bauen. Erst musste ich eine große, massive Betonplatte gießen, um das Haus darauf zu errichten; das bedeutete für mich, mit dem Trinken aufzuhören. Aber es ist sehr ungemütlich, auf einer Betonplatte zu leben, ungeschützt Hitze, Kälte, Wind und Regen ausgesetzt zu sein. So baute ich auf der Platte einen Raum, indem ich anfing, im Programm zu leben. Das erste Zimmer war wacklig, da ich an diese Arbeit nicht gewöhnt war. Aber im Laufe der Zeit, mit mehr Übung im Programm, lernte ich langsam stabilere Räume zu bauen. Je länger ich übte und je mehr ich baute, umso gemütlicher wurde das Zuhause, in dem ich heute lebe.
Lg. Hans G24h
Ich bin nicht das Opfer anderer Menschen, sondern meiner eigenen Erwartungen, Entscheidungen und meiner Unehrlichkeit.Wenn andere Menschen nicht so sind, wie ich sie gerne hätte, sondern wie sie wirklich sind und meinen Erwartungen nicht entsprechen, bin ich verletzt. Wenn meine Entscheidungen egoistisch sind, fühle ich mich einsam und mißtrauisch. Ich werde aber Selbstvertrauen gewinnen, wenn ich in allen meinen Angelegenheiten ehrlich bin. Wenn ich meine Motive durchleuchte, ehrlich und voller Vertauen bin, werde ich verschiedene Situationen abschätzen und die gefährlichen vermeiden können.
(aus Gedanken zum Tag).
So ist es aber tatsächlich. Wie Du mit Dir selbst und Deinen Mitmenschen umgehst, entscheidest allein Du. Wie es so schön heißt "die Entscheidung liegt bei Dir"
Welches Gefühl Du entwickelst ändert nichts an der Tatsache, an der Lage. Wie es Dir geht ist nur eine Sache der Sichtweise, der Betrachtung.
Liebe Grüße von mir
Gerhard
Auszug aus dem fünften Kapitel unseres ‚Blauen Buchs‘
Selten haben wir jemanden scheitern sehen, der unseren Weg gewissenhaft gegangen ist. Nicht zur Genesung gelangen diejenigen, die sich nicht ganz in dieses einfache Programm einbringen können oder wollen. Meistens sind es Männer und Frauen, die aus ihrer Veranlagung heraus sich selbst gegenüber nicht ehrlich sein können. Solche Unglücklichen gibt es. Es ist nicht ihre Schuld. Es scheint, als seien sie so geboren. Sie sind von Natur aus nicht in der Lage, eine Lebensweise anzunehmen und für sich zu entwickeln, die eine absolute Ehrlichkeit verlangt. Ihre Genesungschancen liegen unter dem Durchschnitt.
Darüber hinaus gibt es auch Menschen, die unter ernsten Störungen in ihrem Denken und Fühlen leiden. Dennoch genesen viele von ihnen, wenn sie die Fähigkeit haben, ehrlich zu sein.
Unsere Lebensgeschichten offenbaren, wie wir waren, was geschah und wie wir heute sind. Wenn Sie sich darüber klar geworden sind, dass Sie das haben wollen, was wir heute besitzen – und wenn Sie willens sind, den ganzen Weg zu gehen, um es zu bekommen – dann sind Sie auch bereit, dafür gewisse Schritte zu tun.
Vor manchen Schritten scheuten wir zurück. Wir dachten, wir können einen einfacheren, bequemeren Weg finden. Aber das ging nicht. Ernsthaft und eindringlich bitten wir Sie, von Anfang an furchtlos und gründlich zu sein. Einige von uns hatten versucht, an alten Vorstellungen festzuhalten: Das Resultat war gleich Null, bis wir kapitulierten.
Denken Sie daran, dass wir es mit Alkohol zu tun haben: Er ist verschlagen, trügerisch, mächtig! Ohne Hilfe ist es viel zu schwer für uns. Aber es gibt einen, der alle Kraft hat – und das ist Gott. Mögen Sie ihn jetzt finden!
Halbe Sachen nützten uns nichts. Wir standen am Wendepunkt. Hingebungsvoll baten wir Ihn um seinen Schutz und seine Hilfe.
Hier sind die Schritte, die wir gegangen sind und die als Programm zur Genesung empfohlen werden:
1.Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
2.Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
3.Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.
4.Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
5.Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.
6.Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
7.Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
8.Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten – und wurden willig, ihn bei allen wiedergutzumachen.
9.Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war –, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
10.Wir setzten die Inventur bei uns fort – und wenn wir unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
11.Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstanden – zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
12.Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.
Viele von uns riefen aus: „Was sind das für Vorschriften! Das schaffe ich nie!“ Seien Sie nicht mutlos. Keiner von uns war in der Lage, diese Prinzipien auch nur annähernd vollständig zu befolgen. Wir sind keine Heiligen. Es kommt darauf an, dass wir willens sind, anhand spiritueller Grundsätze zu wachsen.
Die Prinzipien, die wir aufstellten, sind unser Leitfaden, der zum Fortschritt führt. Wir streben eher nach spirituellem Fortschreiten als nach spiritueller Vollkommenheit.
Austausch bedeutet für mich, hier im Forum zu lesen, daraus mitzunehmen, was mir weiterhilft, über meinen Weg zu berichten, von dem andere sich mitnehmen können, was ihnen weiterhilft. Ratschläge haben mir in den Jahren nicht geholfen, wohl aber die Freiheit mir mit Hilfe vieler unterschiedlicher Erfahrungen meinen Weg zu suchen.
Lg. Hans G24h
Die 12 Schritte sind keine Gebote, sondern eine Einladung an uns, diesen Weg zu gehen und dabei die gleiche befreiende Erfahrung machen, wie die Entdecker dieses Weges. Wichtig aber ist: Dass ich selbst diesen Weg gehen will. Niemand kann ihn für mich gehen.
Dass ich die Reihenfolge der Schritte einhalte, denn jeder weitere Schritt ist auf den vorausgehenden aufgebaut.
Dass ich mich immer wieder frage, ob ich diesen Schritt nur gelesen habe oder nach diesem Schritt zu leben versucht habe. Ich habe nichts zu verbergen darum mache ich jeden Schritt.
Dass die Arbeit an den zwölf Schritten ein Lebensprogramm ist versteht sich wohl von selber. Dass ich die zwölf Schritte nur an mir nicht am anderen anwende. Sobald ich versuche, sie bei anderen anzuwenden, weiche ich vom Programm ab.
Lg. Hans G24h
6.Tradition
Eine AA Gruppe sollte niemals irgendein außenstehendes Unternehmen unterstützen, finanzieren oder mit dem AA Namen decken, damit uns nicht Geld – Besitz und Prestige Probleme von unseren eigentlichen Zweck ablenken. Wir haben im AA Programm etwas Wunderbares entdeckt, das uns nicht nur hilft, ein nüchternes sondern auch ein zufriedenes Leben zu führen. Es liegt nun nahe, dass wir dieses Gedankengut nicht nur an Alkoholiker weitergeben möchten. Das AA Programm ist für mich da, und ich sollte mich hüten, es anderen zu predigen. Sie würden mich nicht verstehen. Sie könnten höchstens denken, der soll bei seiner eigenen Tür kehren. Nur wenn ich das AA- Programm an mir selbst anwende, habe ich Aussicht, dass auch andere es tun könnten. Wir wollen auch keine Wohltäter der Menschen sein. Wenn wir einen Alkoholiker helfen, helfen wir in erster Linie uns selber. Jeder, der meint den Missionar zu spielen, setzt seine eigene Nüchternheit aufs Spiel. Natürlich steht es jedem Alkoholiker frei was er den Neuen vermittelt. Als AA-Mitglied soll es uns nicht hintern, mit Ärzten, Seelsorgern und Sozialhelfern zusammenzuarbeiten, aber wir wollen und können uns nicht an ihre Hilfsaktion anschließen. Wir sollten uns auch hüten voreilige Kritiken solcher Hilfsaktionen zu üben. Natürlich machen sie Fehler, aber wie wir das meiste aus unseren Fehlern gelernt haben, können auch sie aus ihren Fehlern lernen. Wir können und sollten diesen Helfern Mut machen, ihnen Anerkennung geben. Auch sie brauchen beides. Wir sollten uns auch immer bewusst sein, das Fachleute, Seelsorger, Ärzte und Sozialhelfer helfen können, wo wir nicht zu helfen imstande sind. Nur wenn jeder auf seinen Posten steht, werden wir was erreichen. AA braucht Geld, aber keine Reichtümer, um ihre Botschaft weiterzugeben. Die Hutsammlungen sind nicht für wohltätige Zwecke, sondern für die laufende Ausgaben der Anonymen Alkoholiker gedacht.
Lg. Hans G24h
Ich arbeite ständig an mir, damit ich nicht die Fehler mache, die mich früher oder später wieder zum Saufen gebracht haben.
Außerdem besuche ich neben diesem Forum eine Selbsthilfegruppe.
Ich suche mir Menschen, mit denen ich über meine Probleme reden kann.
Wenn's mal eng wird, stelle ich mir die Frage: was würde passieren, wenn ich jetzt trinke?....
Es ist keine Schande krank zu sein.
Es ist aber eine Schande, nichts dagegen zu tun!
Gruß Christa S..
Ich habe die Funktion von Alkohol als Gefühlsregulierer sehr oft genutzt.
Ich erinnere mich an das Gefühl der Leichtigkeit, das entstand beim Trinken der ersten Schlucke, „einfach so“ vergnügt, ohne äußeren Anlass. Und ich erinnere mich auch an das Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, das entstand, wenn ich weiter trank. Ebenfalls einfach so, ohne äußeren Anlass. Ich dachte, das sind meine Gefühle. Und fühlte mich ausgeliefert. Abhängig.
Heute, ein paar (wenige) trockene Jahre später, sind meine Emotionen ganz anders. Fühlen sich ganz anders an. Das ist jetzt wieder nur meine eigene Hirnchemie, ohne die Zugabe von Alkohol. Das ist viel weniger extrem. Und oft vermischt, dass eine mit dem anderen. Aber es fühlt sich so ... echt an. Wenn ich mich jetzt dabei „erwische“, wie ich mich gerade über etwas freue, dann denke ich „Ach guck an, DAS magst du also.“ Meine Gefühle zeigen mir, wie ich bin. Sind ein Weg, mich kennenzulernen. Und dadurch fühle ich mich gestärkt.
Von der Wichtigkeit vergleiche die Erste Tradition mit dem Ersten Schritt. Das in diesem Zusammenhang oft benutzte das Bild von dem Rettungsboot, in dem wir AA z.B. als Gruppe sitzen, trifft nach meiner Meinung die Situation sehr gut. Wir können nur gemeinsam genesen (gerettet werden), wenn wir das Fortbestehen der Gruppe sichern, wenn jeder für sich auf Macht Spielchen verzichtet, wenn sich jeder bemüht von sich zu reden, wenn er den anderen AA so lässt wie er ist, ohne den Versuch zu unternehmen ihn ändern zu wollen, wenn wir tatsächlich Erfahrung Kraft und Hoffnung gleichberechtigt miteinander teilen. Die Gruppe sehe ich als die Keimzelle der gesamten Gemeinschaft an. Sehen wir im Andersdenkenten einen Feind, der mit allen Mitteln bekämpft, oder besiegt werden muss, oder können wir ihm jemand sehen der auf Grund seines bisherigen AA-Lebens andere Erfahrung gemacht hat? Wir dürfen nicht außer acht lassen, dass ein Gedanke oder Plan von jedem oder von überall herkommen kann und Fortschritt fast immer durch eine Reihe dienlicher Kompromisse kommen kann meint Bill in den Konzepten.
Wolfgang